Der Körper erinnert sich

 
Traumata entstehen unter belastenden Lebensbedingungen (Entwicklungstraumata) oder aufgrund einzelner schrecklicher Ereignisse (Schocktraumata). Gibt es aus unerträglichen Umständen kein äußeres Entkommen, so findet eine innere Fluchtbewegung statt: Körper, Geist und Seele trennen sich voneinander.

Dadurch kann sich zwar das Selbst vor zu heftigen Gefühlen, Empfindungen, Wahrnehmungen und Erinnerungen schützen, die persönliche Erlebniswelt wird jedoch insgesamt gestört: Der Schmerz bleibt im Körpergedächtnis, die erfahrene eigene Hilflosigkeit und die damit verbundene Angst verselbstständigen sich. Die eigenen Empfindungen werden zum Feind und es ist unmöglich, sich im Hier und Jetzt zu erleben – Trauma heißt auch, nicht präsent sein zu können.

Zu den aus Traumata resultierenden Störungen zählen:
  • Vermeidungsverhalten gegenüber Menschen, Orten und Gefühlen
  • Überempfindlichkeit, leichte Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit und Kontrollzwang oder aber Teilnahms- und Sprachlosigkeit, Gleichgültigkeit
  • Angst, Panik und Aggressionsausbrüche
  • Depressionen, Suizidgedanken, feindliche und misstrauische Haltung der Welt gegenüber, sozialer Rückzug, Gefühle der Leere, Hoffnungslosigkeit und Entfremdung
  • Flashbacks oder Albträume
Häufig sind sich Betroffene selbst eines erlittenen Traumas oder dessen Tragweite nicht bewusst. Das gilt insbesondere, wenn die Traumatisierung in einer frühen Entwicklungsphase stattgefunden hat.
 
 

Shiatsu bei Traumafolgen

Traumafolgen haben ihre Basis in Bereichen des Körpergedächtnisses, die durch kognitive Verfahren nicht erreicht werden. Shiatsu ist eine Form der ganzheitlichen Körperarbeit und findet auch zu diesen abgeschotteten Bereichen Zugang.

Das Schwierigste auf dem Weg zur Genesung ist, sich Körper und Geist – also sich selbst – wieder zu eigen zu machen. Indem Shiatsu seelische Kräfte (Ressourcen) weckt und stärkt, kann sich das aus der Not entstandene Persönlichkeitssystem von innen her umwandeln und weiterentwickeln: Traumatische Erinnerungen verblassen, die Vitalität nimmt zu und der Körper kann wieder als Ort der Freude erlebt werden.

Zu lernen, ruhig zu atmen und sogar während einer Konfrontation mit schmerzhaften und schrecklichen Erinnerungen einen Zustand relativer körperlicher Entspannung aufrechtzuerhalten, ist für das Überwinden von Traumafolgen unverzichtbar.